Kapitel 50: Unerwartete Begegnungen

“Wie soll ich es ihnen nur sagen”, grübelte der Piratenkaiser und trommelte mit den Fingerspitzen auf der hölzernen Tischplatte herum. Schließlich konnte er nicht einfach sagen “Hey Whitebeard, du ich bin gerade im EastBlue auf der Insel Dawn und rate mal, wen ich da angetroffen habe. Deine totgeglaubte Tochter Talea.” Immer wieder spielte Shanks das Gespräch im Kopf durch, aber er kam jedes Mal zum gleichen Schluss. Einfach mit der Tür ins Haus fallen, das war die Beste Strategie für diesen Anruf.

Nicht weiter drüber nachdenkend, nahm Shanks endlich der Teleschnecke den Hörer ab. Es dauerte nicht lange, da wurde am anderen Ende der Leitung abgenommen. “Whitebeard-Piraten, Marco am Apparat.”, meldete sich der Vize. “Shanks hier. Ich müsste mit Whitebeard sprechen, in einer wichtigen Angelegenheit.”, rückte Shanks auch sogleich mit seinem Anliegen heraus. “Tut mir Leid. Der ist gerade in einer… wichtigen Besprechung. Außerdem, wichtige Dinge werden nur von Angesicht zu Angesicht besprochen.”, presste Marco die Worte zwischen zusammen gebissenen Zähnen heraus. “Momentan ist es nicht möglich, meinen Standort zu verlassen, weil ich sonst jemanden in Gefahr bringen könnte. Aber wie kommt es, dass eine wichtige Besprechung ohne dich als Vize stattfindet?”, kam es verblüfft und dennoch neugierig von Shanks. “Ich wurde quasi von dem Gespräch ausgeladen.”, zischte Marco, besann sich jedoch sogleich wieder und harkte nach. “In was für einer Angelegenheit musst du denn mit Pops sprechen?” “Netter Versuch, Marco, aber das kann ich wirklich nur mit Whitebeard besprechen.”, wimmelte Shanks den Blonden ab. “Himmel noch Mal! Erst Garp, der hier einfach so auftaucht und jetzt auch noch du!” Wütend wie Marco momentan über die Situation war, legte er einfach auf.

Mehrmals blinzelte Shanks verständnislos. Er hatte das “Catcha.” vernommen, welches das Gespräch beendete, aber das Marco so impulsiv war, war ihm neu. “Garp ist also bei Whitebeard.”, dämmerte es dem rothaarigen Kapitän auch im nächsten Moment. “Da kam der Alte mir wohl zuvor.” Und mit einem kleinen Lächeln legte er den Hörer zurück auf das Schneckenhaus. Dennoch wartete der rothaarige Pirat, denn er war sich sicher, früher oder später würde Whitebeard zurück rufen.

Irgendwo in der Neuen Welt, eine kurze Zeit später: 

Während Ace strahlend winkend an der Reling stand, herrschte unter der Besatzung der White Whale noch immer große Aufregung. “Da sind wir noch keine Woche auf See und schon hat uns die Marine aufgespürt. So schnell sollte es nicht heraus kommen, dass du noch am Leben bist, Ace.”, grollte Jozu und sah mit verächtlichem Blick auf das Marine-Schiff, welches außerhalb der Kanonenreichweite vor Anker lag und nun dabei war, Segel zu setzen. “Ach Quatsch. Mein Großvater hat gesagt, dass er den wenigen Soldaten an Bord vertraut und sie schweigen werden wie ein Grab.”, grinste Ace und er vertraute den Worten seines Großvaters. “Was genau wollte dein Großvater jetzt eigentlich hier?”, wollte Marco wissen und ein kleiner säuerlicher Unterton schwang in seiner Stimme mit. In Gedanken ging Ace blitzschnell durch, was in den letzten zwei Stunden passiert war:

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“Feindliches Schiff voraus!”, kam der Warnruf aus dem Krähennest, was die gesamte Piratenbande in Alarmbereitschaft versetzte. “Die Marine?”, kam es entsetzt von Izou, als er das Schiff erkannte. Doch das Schiff ging nicht zum Angriff über, vielmehr hisste es die weiße Flagge. “Sie lassen ein Beiboot zu Wasser!”, kam die Auskunft aus dem Krähennest. Mit Verwunderung beobachteten die Freibeuter, wie das kleine Boot sich ihnen rasch näherte. “Das ist ja Vizeadmiral Garp.”, kam es überrascht von Izou, als er den Mann im Boot erkannte.

“Großvater?!”, fragt Ace und er schob sich zwischen seinen Nakama hindurch, um eine bessere Sicht zu haben. Nie würde Izou den Ausdruck auf Garps Gesicht vergessen, als er die Feuerfaust an der Reling erblickte. Da war Erstaunen, aber auch pure Freude und tiefe Liebe in seinem Blick und mit tränenden Augen betrat der Vizeadmiral das Deck des Schiffes. “Du lebst. Was bin ich froh. Du lebst.”, murmelte Garp vor sich hin, bevor er Ace in eine feste Umarmung schloss. Erst als Whitebeard sich vernehmlich geräuspert hatte, war das rührselige Wiedersehen beendet. “Gibt es einen besonderen Grund, warum du gekommen bist, Garp?”, wollte der Piratenkapitän argwöhnisch wissen. “Den gibt es. Ich bin in privater Angelegenheit hier, Whitebeard. Können wir irgendwo ungestört reden. Nur du und ich… und Ace?”, wollte Garp wissen, während er seinen Marinemantel von den Schultern streifte und ihn in das Boot warf, dabei blickte er Whitebeard fest in die Augen. Mit einem Kopfrücken deutete Whitebeard an, dass Garp folgen sollte. Als jedoch auch Marco sich in Bewegung setzte, hielten ihn Whitebeards Worte zurück. “Du nicht, Marco. Einer muss doch das Kommando übernehmen, wenn ich nicht da bin.” Irritiert hatte Marco den dreien hinterher geblickt, war es schließlich unüblich, dass er als Vize nicht bei einem Gespräch anwesend war.

Unwohl hat sich Garp in der Kajüte von Whitebeard umgesehen, während der Piratenkapitän sich an seinen Schreibtisch setzte. Ace pflanzte sich auf den Schreibtisch und lies seine Beine herab baumeln, während er seinen Großvater neugierig musterte. “Nun rück schon raus mit der Sprache, Garp. Was führt dich her?”, brummte Whitebeard. Endlich setzte auch Garp sich auf einen der Stühle und mit ernster Miene blickte er die zwei Piraten vor sich an. “Zu aller Erst einmal, möchte ich mich bedanken. Danke, dass ihr Ace befreit habt und danke, dass ihr Ruffy auf dem Schlachtfeld geholfen habt. Aber das ist nicht der Grund, warum ich gekommen bin. Ich brauch eure Hilfe.”, gab der Vize-Admiral dann endlich sein Anliegen preis.

Während Whitebeard fragte, warum ausgerechnet er der Marine helfen sollte, fragte Ace einfach nur “Bei was?” Und so begann Garp davon zu erzählen, dass eine Piratin im Windmühlendorf aufgetaucht sei, die von nun an ein ruhiges, bürgerliches Leben leben wollte. Aber auch, dass er Gerüchte aus der Stadt gehört hat, dass die Marine bereits von ihrem Aufenthalt auf der Insel erfahren hat. “Die Reise um neue Leute für die Marine zu rekrutieren, war in diesem Moment, wie ein Geschenk des Himmels. So konnte ich die Insel verlassen, ohne dass die Marine Verdacht schöpfte. Und nachdem ich die neuen Rekruten ins Hauptquartier gebracht habe, bin ich der Route gefolgt, die Shanks nach dem Krieg eingeschlagen hatte  und euch quasi direkt in die Arme gelaufen.”, ein kleines verschmitztes Lächeln erschien auf Garps Gesicht, doch dann besann er sich wieder und sprach ernst weiter. “Jetzt bitte ich euch, reist so schnell wie möglich in den EastBlue, nach Dawn und nehmt diese Piratin auf euer Schiff. Damit sie in Sicherheit ist.”

Mit gerunzelter Stirn hatte Whitebeard dem Vizeadmiral zugehört. “Ich nehm nicht jede dahergelaufene Piratin auf mein Schiff. Gib mir EINEN guten Grund, warum ich bei dieser Person eine Ausnahme machen sollte!”, grollte Whitebeard, der der ganzen Sache nicht traute. Da zog Garp einen gefalteten Zettel aus seiner Hosentasche und reichte ihn Whitebeard.

Neugierig wie Ace nun einmal war, ließ er sich von der Tischplatte gleiten und trat an die Seite Whitebeards, um auch einen Blick auf den Zettel erhaschen zu können. Mit offenem Mund huschte Aces Blick von der Fotografie in Whitebeards Hand zu seinem Großvater. Und auch dem Piratenkaiser war die Überraschung ins Gesicht geschrieben. “Das… aber…. Pops?”, stammelte Ace überfordert. Immerhin war auf dem Bild ein strahlender Garp zu sehen, der den Arm um Taleas Schultern gelegt hat und sie hielt ein Baby im Arm. “Sie wollte nie, dass ihr von ihrem Überleben erfahrt. Aber inzwischen gehört Talea ebenfalls zu meiner Familie. Und wenn es bedeutet, dass ich die Hilfe von Piraten annehmen muss um meine Familie zu schützen, dann werde ich das tun. Den Fehler, die Arbeit vor die Familie zu stellen, hab ich einmal gemacht und teuer dafür bezahlt.”, brummte Garp und blickte schuldbewusst zu Ace. “Großvater…”, murmelte Ace und dann trat er an seinen Opa heran und umarmte ihn fest. Hatte Ace es seinem Großvater nie übel genommen, was auf Marineford passiert war, denn so war Garp nun mal.

Dann jedoch änderte Ace seine Haltung. “Ist das Taleas Kind?”, wollte er neugierig wissen und deutete auf das Foto, welches noch immer Whitebeard in den Händen hielt. “Ja. Sie heißt Mara und ist ein echter Sonnenschein.”, erzählte Garp und Stolz schwang in seiner Stimme mit, als wäre das kleine Mädchen sein Ein und Alles.

“Also schön. Wir werden so bald wie möglich den Kurs nach Dawn setzten. ABER ich werde meine Tochter nicht dazu zwingen, zurück an Bord zu kommen. Und zu keinem aus der Mannschaft auch nur ein Sterbenswörtchen.”, sprach Whitebeard sein Machtwort. “Ich geb euch auch mein Wort, dass meine Soldaten kein Wort über dieses Treffen verlauten lassen.”, teilte Garp dem Kaiser mit, ehe das Treffen sich auflöste.  

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“Ganz ehrlich? Mein Großvater ist zufällig auf uns gestoßen und hat die Chance genutzt, sich bei Pops zu bedanken, dass ihr Ruffy auf Marineford unterstütz habt. Mich anzutreffen hat ihn ganz schön aus den Socken gehauen.”, gab Ace grinsend die unverfängliche Antwort, hatte er seinem Pops schließlich versprochen, nichts über den wahren Grund zu sagen. Sichtlich entspannter lehnte Marco sich nun ebenfalls an die Reling und blickte auf das Marineschiff, welches sich langsam immer weiter entfernte. “Tut mir Leid, heut ist einfach nicht mein Tag. Erst lädt Pops mich von dem Gespräch aus, als ob ihr ein Geheimnis hättet und dann ruft auch noch Shanks hier an und will mir nicht mal sagen, worüber er mit Pops sprechen muss.”, entschuldigte Marco sein Verhalten. Dann schreckte er zusammen. “Mist, ich muss Pops noch sagen, dass Shanks angerufen hat.” Und schon war Marco verschwunden.

„Pops, der rote Shanks hat sich per Teleschnecke gemeldet. Er meinte, es sei sehr wichtig, aber er könne nicht persönlich kommen.“, teilte Marco seinem Kapitän mit, als er in dessen Kajüte stand. Mit gehobener Augenbraue sah Whitebeard seinen Vize an. „Hat er noch mehr gesagt?“ „Oi. Nein. Er wollte mir ja noch nicht mal sagen, worum es geht.”, brummte Marco verstimmt. “Also schön. Dann werde ich eben mit dem Bengel sprechen. Ach Marco, wenn du etwas Zeit hast, berechne mir doch bitte einen Kurs in den EastBlue.” “Hat es einen bestimmten Grund, warum du in einen der Blues willst?”, fragte Marco nach, war es doch eine recht ungewöhnliche Bitte. “Ich dachte mir, dass es bestimmt eine nette Idee wäre, einmal die Heimatinsel von Ace zu besuchen. Vielleicht gibt es noch ein paar mehr Leute, die sich sichtlich freuen, Ace wohlauf zu sehen. Aber es hat keine große Eile.”, dabei strich sich Whitebeard den Bart entlang und ein verschlagenes Grinsen lag auf seinem Gesicht. Verstehend nickte Marco, ehe er die Kajüte verlies und sich auf den Weg zum Navigationsraum machte.

Während Marco also ein paar Routen in den EastBlue zusammen stellte und somit einige Zeit beschäftigt war, hatte Whitebeard sich die Teleschnecke des roten Shanks bringen lassen.

Es läutete nicht einmal vollständig, da wurde am anderen Ende bereits abgehoben. “Shanks?”, brummte Whitebeard in den Hörer. “Whitebeard.”, bestätigte Shanks, dass er persönlich am Apparat war. “Warum hast du angerufen?”, brachte der Ältere es sogleich auf den Punkt. “Bist du alleine? Sonst kann ich nicht frei sprechen.”, stellte Shanks sogleich die Forderung, was Whitebeard auch bestätigte. “Also schön. Da Marco sich vorhin mit Garps Besuch etwas verplappert hat, wird es dich nicht mehr ganz so aus den Socken hauen. Ich bin gerade im EastBlue, auf der Insel Dawn.”, fing der Rothaar an zu erzählen. “Garp hat es schon erzählt, dass meine Tochter noch lebt und selbst eine Tochter hat.”, fiel ihm Whitebeard ins Wort. “Was der Gute aber leider noch nicht weiß, vorhin waren Marinesoldaten im Dorf und haben gezielt nach ihr gesucht.”, überbrachte Shanks nun die Hiobsbotschaft.

“WAS!”, donnerte Whitebeards Stimme durch die Flure der White Whale, als er die schlechte Nachricht hörte, dass so manch einer vor Schreck zusammen zuckte. Danach wurde es wieder ruhig.

Kurz fasste Shanks zusammen, wie der König mit den Soldaten ins Dorf kam: “Zuerst dachte ich, sie seien wegen meiner Bande und mir gekommen. Doch die Marine interessierte sich nicht für uns. Und dann haben sie sie in der Menge entdeckt. Die Marine hat nur nichts unternommen, weil ich anwesend und zum Kampf bereit war.”  Die beiden Piratenkaiser sprachen noch eine ganze Weile miteinander. Doch an der Tatsache, dass Shanks nicht mehr sonderlich lang auf der Insel bleiben könne und dass die Whitebeard-Piraten definitiv nicht so schnell in den EastBlue kamen, konnte keiner etwas ändern. “Nun, vielleicht habe ich eine Idee. Lass mich nur mal machen. Ich melde mich auf jeden Fall wieder.”, hatte Shanks gesagt, bevor er sich verabschiedete und auflegte.