Kapitel 3: Das Dunkle Mal

Das Zelt, dass sie ansteuerten, war sehr klein. Doch Lucinda wusste, der Schein konnte oftmals trügen, war es mit ihrer Handtasche doch das gleiche. Und sie sollte Recht behalten. Als sie in das Zelt schlüpfte, breitet sich ein großer Gemeinschaftsraum vor ihr aus, an dessen Ende sich eine Küchenzeile befand. Rechts ging eine Tür ab, die, wie ihr Mr. Weasley zu raunte, ins Badezimmer führte. Links ging es demnach dann zu den Schlafzimmern. Fred und Georg vollführten im Gemeinschaftsraum einen Siegestanz, den die drei Mädchen einfach belächeln mussten, so dämlich wie er war. Ron schmachtete die Autogrammkarte von Viktor Krum an, während Harry die Spielzüge der Iren nochmal durch ging. Das klirren von zwei Glasflaschen war zu hören, hatten die zwei Väter auf den Sieg der Iren und eine neue Freundschaft angestoßen.


Die Stimmung außerhalb des Zeltes hatte sich verändert. Keine Fan-Gesänge erklangen mehr, dafür aber Schreie. Panische Schreie. Mr. Weasley war einige Schritte aus dem Zelt getreten und kam nun abgehetzt wieder herein. “Wir müssen von hier verschwinden, los!”, rief er. Nacheinander krochen alle aus dem Zelt und fanden sich im reinsten Chaos wieder. Die Leute flohen in den angrenzenden Wald. Einige Zelte am Ende des Platzes brannten lichterloh und beschienen eine Gruppe Zauberer, die in dunkle Mäntel mit Kapuzen gehüllt waren. Silberne Masken verdeckten die Gesichter. “Das sind Todesser.”, fluchte Samuel Bishop und schob seine Tochter hinter sich. “Komm Arthur, wir können dem Ministerium bestimmt helfen!”, schon zückte Mr. Bishop seinen Zauberstab, Arthur und Percy folgten ihm, die ebenfalls ihren Zauberstab erhoben hatten. “Verschwindet in den Wald – bleibt zusammen!”, hatte Mr. Weasley noch die Anweisungen über die Schulter gerufen, ehe er sich gegen den Strom der Flüchtenden bewegte. “Ihr habt Dad gehört. Los in den Wald.”, rief Fred und nahm seine kleine Schwester an der Hand. George griff nach Lucindas Hand, die wie erstarrt ihrem Vater hinterher sah. Erst als sie die ersten Bäume hinter sich gelassen hatten, blieb die Gruppe stehen. “Wo ist Harry?”, fragte Hermine und blickte sich suchend um. “Grad eben, war er noch da!” Ron blickte sich nun auch um. Mit einem Mal wurde es gespenstisch Still. “Ist das… Ist das, das Dunkle Mal?”, wollte Lucinda verstört wissen und deute auf den riesigen grünen Schädel, der am Himmel stand und aus dessen Mundhöhle eine Schlange hervor quoll, wie eine Zunge.Gebannt starrten die Schüler auf das Symbol von Du-weißt-schon-wem, als ein “Da seid ihr ja!” sie zusammen zucken ließ. Mr. Bishop war hinter ihnen aufgetaucht. “Dad, Harry ist verschwunden.”, brachte Lucinda hervor, nachdem sie ihren Dad feste umarmt hatte. “Wir werden ihn finden!”, versprach Samuel Bishop, als Mr. Weasley mit Percy und Harry zwischen den Bäumen erschien. “Gefunden.”, sprachen die Zwillinge synchron, als sie Harry erblickten. “Wo warst du?! Wir haben uns Sorgen gemacht!” Hermines Stimme überschlug sich, und während sie sprach, schlug sie Harry gegen die Brust, umarmte ihn aber im nächsten Moment gleich wieder. Harry berichtete kurz, dass er in dem entstandenem Chaos seinen Zauberstab verloren hatte. “..Und dann wart ihr alle schon fort. Dann hab ich jemanden etwas murmeln hören und plötzlich erscheint DAS, am Himmel.”, dabei zeigte Harry auf das Dunkle Mal. “Noch bevor ich wusste, was passiert war, tauchten lauter Ministeriumszauberer um mich herum auf und beschuldigten mich, dass ich es war, der das Dunkle Mal an den Himmel gehext hätte. Merlin sei Dank, war Mr. Weasley ebenfalls da. Einige Meter weiter, fand man die Hauselfe von Mr. Crouch. Sie wurde von einem Schockzauber getroffen und hatte meinen Zauberstab in der Hand.” Entsetzt schlug Hermine sich die Hand vor den Mund. “Eine Hauselfe soll das Dunkle Mal herauf beschworen haben?”, wollte Hermine dann aber doch wissen. “Nein. Sie sagte, dass sie den Zauberstab nur aufgehoben hat. Woher soll eine Hauselfe auch die Beschwörungsformel für einen solch dunklen Zauber kennen.”, beschwichtigte Mr. Weasley, bevor er die Anwesenden der Reihe nach betrachtete. “Kinder, ich würde sagen, dass war genug Aufregung für heute. Sehen wir zu, dass wir nach Hause kommen.”, sprach er. “Artuhr hat Recht.”, stimmte Mr. Bishop zu und so setzte sich die kleine Gruppe in Bewegung. Der Apparier-Platz lag wie ausgestorben vor ihnen, dafür war der Platz, von dem man mit dem Portschlüssel abreisen konnte, mehr als überfüllt. Percy grummelte etwas von “Beziehungen spielen lassen” und wollte sich auf den Weg zum Verwalter machen, um eine Reise zum Wieselkopf zu beantragen. “Dad? Könntest du nicht mit uns allen heim apparieren? Von dort könnten die Weasleys doch per Flohnetzwerk weiter reisen. Dann müssen sie nicht so lange warten und sind auch bald zu Hause.”, bittend sah Lucinda ihren Vater an. “Liebling, ich kann nur maximal mit drei Leuten Seit-an-Seit apparieren.”, versuchte Mr. Bishop es seiner Tochter verständlich zu machen. “Ich könnte mit einer Person Seit-an-Seit apparieren. Percy kann alleine apparieren.”, mischte sich Mr. Weasley ein. Als Lucinda dann auch noch ihren Hundewelpenblick aufsetzte, konnte ihr Vater nur noch zustimmen. “Also gut, dann eben auf zwei Mal. Arthur, Percy, die Apparier-Koordinaten sind 52°58´06,1´´ Nord und 1°00´30,1´´ Ost.” Dann nahm er Harry, Ron und Hermine und mit einem “Plop” verschwand er. Mr. Weasley hatte sich seine Tochter geschnappt und verschwand ebenfalls. “Bis gleich.”, brummte Percy und “Plop”, war auch er verschwunden. “Eigentlich bist du gar nicht so ätzend, wie du in der Schule immer tust.”, grinste George und bekam gleich darauf eine Kopfnuss von Lucinda. “Dafür bist du um so ätzendere.”, meinte sie und musste dann loslachen. “Hättest du … also vielleicht…”, versuchte George, doch schon ertönte ein “Plop” und Mr. Bishop stand vor den Dreien. “So, ihr seit an der Reihe.” Lucinda griff, wie Fred, nach dem dargebotenem Arm, gleichzeitig umschloss Lucinda Georgs Hand. Ein weiteres ploppen und schon waren sie im Wohnzimmer von Familie Bishop erschienen. “Danke, Samuel. Ohne dich wären wir nicht so schnell von dort fort gekommen.”, bedankte sich Arthur Weasley. “Nicht dafür.” Dabei zwinkerte Samuel Arthur zu. 

“Schön hast dus hier.”, Stellte Hermine fest, nachdem sie sich etwas umgesehen hatte. “Danke.”, verlegen umgriff Lucinda ihre Ellbogen. Es war ihr schon etwas unangenehm, weil sie zur Oberschicht der Zaubereigesellschaft gehörte. Verdienten ihre Eltern doch fast schon ein Vermögen in ihren Jobs. George und Fred sahen sich nun auch im Wohnzimmer um. Von ihrem jetzigen Standpunkt aus, bestand die komplette rechte Wand aus einer Glasfront, welche eine atemberaubende Aussicht auf das Meer und einen Teil der Steilklippe bot. Vor den Zwillingen befand sich eine gemütliche Sitzlandschaft aus geflochtenen Korbsesseln und einem Sofa, die in einem Halbkreis um den gemauerten Kamin gruppiert standen. Die Wand war mit verschieden farbigem Treibholz vertäfelt, was dem Raum eine urgemütliche Atmosphäre verschaffte.Zur linken Seite der Zwillinge und gegenüber der Glasfront, befand sich eine große hölzerne Doppeltüre mit Glasfenstern, die Einblicke in die Küche bot, der Rest der Wand war ebenfalls mit Treibholz getäfelt. Und die Wand hinter den Zwillingen bestand aus überfüllten Bücherregalen und einer einfachen Türe. “Na los, Jungs, flohen wir Heim zu eurer Mutter, sie wird bestimmt voller Sorge sein.”, Riss Mr. Weasley seine beiden Söhne aus ihrer Starre. “Samuel, wenn wir uns irgendwie erkenntlich zeigen können oder irgendwas für euch tun können, dann melde dich, ja.”, wandte sich Arthur an Samuel, ehe er an den Kamin trat und die dort stehenden Schüssel mit Flohpulver nahm.
“Los Ginny, mach du den Anfang.” Die rothaarige Hexe nahm sich ein bisschen was von dem schimmernden Pulver, warf es in die Flammen und trat dann in den Kamin, als die Flammen grün wurden. “Fuchsbau.”, Sprach sie deutlich und war im nächsten Moment verschwunden. Harry und Ron waren als nächstes gefloht. Dann kam die Reihe an Hermine. “Danke, fürs schnelle zurück bringen. Wir sehen uns spätestens in King’s Cross, Lucinda.” Dann trat sie ins Feuer, sprach “Fuchsbau” und war weg. “Ich apparier nach Hause, Vater. Vielen Dank für Ihre Hilfe, Mr. Bishop.”, sprach Percy steif und “plop” war er weg.”Charmant.”, murmelte Lucinda sarkastisch. “Seit Percy im Ministerium arbeitet…”, fing Fred an und George beendete den Satz, “…ist er noch versnobter als sonst.” “Na dann, gute Heimreise. Wir sehen uns dann in der Schule wieder.”, grinste Lucinda und schob die Zwillinge in Richtung des Kamins. Fred trat in den Kamin. “Du darfst uns auch gerne besuchen kommen. Mum hat bestimmt nichts dagegen.”, dann warf er das Pulver und weg war er. George trat näher an Lucinda heran. “Falls dir die letzte Ferienwoche noch langweilig wird. Nimm das Angebot an.”, dann drückte er die Hand von Lucinda, ehe er sich mit einem frechen Grinsen abwandte und in den Fuchsbau flohte. Mr. Weasley flohte als letztes zurück. 

Im Fuchsbau umarmte Molly Weasley erst einmal all ihre Kinder, auch Harry und Hermine wurden in eine mütterliche Umarmung gezogen. “Euch ist nichts passiert. Ich bin ja so froh.”, dabei küsste sie Fred, den sie momentan in ihren Fängen hatte, immer wieder rechts und links auf die Wange. “Mum, bitte, du bringst mich noch um.”, nörgelte der fast Erwachsene. “Wie habt ihr es bloß geschafft, so schnell nach Hause zu kommen? Die Eule mit der Sonderausgabe über den Todesser-Angriff kam auch erst vor einer viertel Stunde rein. Es muss doch das reinste Chaos geherrscht haben?”, plapperte Molly Weasley weiter. “Setz dich erst einmal, Molly-Wobble, dann erzählen wir dir alles.”, sprach Arthur und verfrachtete seine Frau auf einen Stuhl. Ginny und Hermine hatten derweil für alle einen Tee gekocht. “Also, Molly-Liebling, wir haben in der Ehrenloge eine Klassenkameradin von Fred und George getroffen. Lucinda Bishop. Nach dem Spiel habe ich sie und ihren Vater, Samuel, noch in unser Zelt eingeladen, um auf den Sieg der Iren anzustoßen. Samuel beherrscht im übrigen das Seit-an-Seit apparieren mit drei weiteren Personen. Jedenfalls, als wir mitbekamen, dass draußen was nicht stimmte, haben wir die Kinder in den Wald geschickt und sind dem Ministerium zur Hilfe geeilt. Weißt du, Samuel arbeitet auch im Ministerium, in der Abteilung für internationale magische Zusammenarbeit. Jedenfalls, nachdem soweit alles unter Kontrolle war, wollten wir mit dem Portschlüssel zurück, aber da war so viel los. Und dann hat Samuel uns mit zu sich nach Hause genommen. Erst ist er mit Harry, Ron und Hermine disappariert, ich hatte Ginny dabei, und dann hat er Fred und George und seine Tochter geholt. Von ihnen sind wir dann hergefloht.”, erstattete Arthur einen kurzen Bericht. Nun wandte sich Molly an ihre Zwillinge. “Ist das die Lucinda, die wir im Tropfenden Kessel getroffen haben. Ist sie auch in Gryffindor?” “Ja und Nope…” “..sie ist eine Ravenclaw.”, grinsten die zwei Rotschöpfe. “Wir müssen die Familie unbedingt mal zu uns zum Essen einladen. Dann kann ich mich bei ihnen bedanken.”, murmelte Molly vor sich hin. “Mum, ich hab Lucinda eingeladen, die letzte Ferienwoche bei uns zu verbringen, also wunder dich bitte nicht, wenn plötzlich noch eine Hexe hier rum läuft.” Ein hauchfeiner Rotschimmer lag auf Freds Gesicht, hatte er zuvor noch nie ein Mädchen nach Hause eingeladen, und nun war es ihm leicht unangenehm. “Oh das wäre wunderbar.”, freute sich Molly, war ihr der Rotschimmer nicht entgangen, doch sie interpretierte ihn anders.

Nun war im Leuchtturm wieder Ruhe eingekehrt. “Ist Mum eigentlich schon zurück?”, wollte Lucinda wissen. “Nein. Als ich vorhin herein appariert bin, kam mir schon ein Notizflieger entgegen. Sie wird im Labor übernachten.”, seufzte Samuel Bishop. “Dad? Soll ich dir einen Feuerwhiskey holen?”, wollte Lucinda besorgt wissen. “Das wäre furchtbar lieb von dir, Liebling.” Nachdem die Junghexe ein Glas Feuerwhiskey und eine Flasche Butterbier geholt hatte, setzt sie sich mit ihrem Dad an die Steilklippe und gemeinsam sahen sie auf das offene Meer hinaus. Die Wellen rauschten leise. Mehrere Glühwürmchen schwirrten durch die laue Sommernacht und unten an den Klippen, leuchteten schwach lumineszierende Algen. “Es ist so friedlich hier. Kaum zu glauben, was da heute bei der Weltmeisterschaft passiert ist.”, murmelte Lucinda und nahm einen Schluck von ihrem Butterbier. “Es werden noch dunkle Zeiten auf uns zu kommen, Lucinda. Aber ich wünsche uns, und hoffe, dass Lightcliff immer der sichere, ruhige und wunderschöne Rückzugsort unserer Familie bleibt.” Leicht stieß Samuel mit seinem Glas gegen die Flasche seiner Tochter. “Das wünsch ich mir auch, Dad.” 

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